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Wundversorgung

Lokalanästhesie

  • Bucain 1 % für Infiltrationsanästhesie
  • 2% für Repositionen, Leitungsanästhesie (Oberst)
  • Immer achten auf die Höchstmengen an Lokalanästhetikum.(toxische Dosis)
  • Vor Lokalanästhesie: i m m e r Prüfung der peripheren Sens., Durchblutung und Motorik (und Dokumentation!!!)

Desinfektion

  • Octenisept oder Kodan farblos für normale WV, immer ausreichend weit waschen, da ev. Schnitterweiterungen nötig.
  • Bei Gefahr einer Schleimhautreizung (Auge, Mund etc.) nur Octenisept verwenden.(brennt nicht)
  • Kodan orange: verwenden bei Gelenkspunktion, Extension, Plan-OP
  • Außer für Hand-OP, und bei entzündlichen Geschehen da immer farblos

Nahtmaterial

  • Kopfschwarte: Ethibond 2/0 geflochten
  • Gesicht: Prolene/Ethilon 5-6/0 monofil
  • Peripherie: Prolene/Ethilon 3-4/0 monofil.
  • Im Gesicht keine Klammern verwenden!
  • Nahtentfernung: Kopf 7-10 d, Gesicht 5 d, Peripher 10 (-14)d, über Gelenken länger 14(-21)d
  • Bei frischen Wunden keine Subcutannähte , keine Fasziennähte oder andere Nähte in der Tiefe!! genäht werden nur: Gefäße, Nerven oder Sehnen, Bänder.
  • sorgsames Umgehen mit der Haut, Vermeidung von unnötiger Wundrandquetschung durch Pinzette etc.
  • Bei der Hautnaht nur feine chirurgische Pinzette verwenden
  • Ruhigstellung: Gipsfixation / Fingerschiene/ Mecronschiene: Bei Wunden über Gelenken, bei großen Extremitätenwunden, bei allen septischen/infektiösen Komplikationen, bei Muskel-, Nerven- und Sehnenverletzungen.
  • Ruhigstellung der Wunde ist die beste Infektprophylaxe (besonders wenn anzunehmen ist, daß der Patient nicht kooperativ ist)
  • Schütze den Patienten vor sich selbst !!

Blutstillung

  • meist Kompression ausreichend, selten Ligatur, mögl. auch Zwirbelligatur ( ein Gefäß wird mit einer Klemme gefaßt und mehrmals um die eigene Achse torquiert), bei diffuser Blutung ev. H2O2 getränkter Tupfer und manuelle Kompression, ggf. RR messen und bei Hypertonie senken. Druckverband. Extremität hochlagern!!! Manchmal sinnvoll: Elektrokoagulation mit bipolarer Kaustik.
  • Ein Röntgenbild ist unerläßlich bei Wunden mit Verdacht auf knöcherne Beteiligung, nicht jedoch zwingend bei Schnittwunden mit Messer o.ä. Achten auf: Fremdkörper, Knochenverletzung, Luft in Gelenken, Weichteilschatten. Nach Entfernung von röntgendichten FK: immer Kontrollröntgen zur Dokumentation.

Besonderheiten

Handverletzungen

  • sorgfältige klin. US(Motorik Durchblutung Sensibilität) vor LA.
  • Bei Hyposensibilität (Prüfung der Sensibilität an den Fingerkuppen radial~ und ulnarseitig, seitengetrennt untersuchen!) àNervenrevision d. h. bei Wundversorgung darstellen des jeweiligen Nerven ob dieser verletzt ist oder nicht, dazu oft Schnitterweiterung nötig!!
  • Alle Sehnenverletzungen, Gelenkseröffnungen, Nervenverletzungen vorstellen!!!

Bursaeröffnung

  • Bursaexstirpation in LA, ausreichend LA, Drainage meist nötig!!!! Ruhigstellung im Spaltgips/Mecronschiene. Wenn Redondrainage: immer stat. Aufnahme. Kein Antibiotikum primär. (Wozu auch???)

Schädellatz( RQW am Kopf)

  • Haare sparsam rasieren.Wunde immer ausschneiden!immer prim. Wundverschluss.
  • Revision bis auf den Knochen, (Stufe ?, Fissur ? FK? z.B. Haare in der Wunde ?) Tiefgreifende Nähte meist ausreichend zur Blutstillung. Bei starker Blutung ev. auch RR messen und ggf. senken. Kompressionsverband.
  • Neurolog. Untersuchung (Vigilanz, Erinnerlichkeit des Unfallherganges, Visus, Hörvermögen, Parese, Hyposensibiltät, Übelkeit, Schwindel etc.)
  • und genaue Dokumentation!

Gesicht

  • nie ausschneiden, außer sicher nekrotisches Gewebe,
  • niemals Rasur von Augenbrauen (Kunstfehler)!!!! keine Klammern, max. Dicke der Nahtstärke 5/0 oder 6/0 monofil.

Tier/Menschenbiß

  • auch und besonders kleine nicht klaffende, punktförmige Wunden (die die Haut perforieren) wie z. B.: Katzenbisse
  • großzügig excidieren in LA, offenlassen d.h. niemals nähen!!!!
  • keine Adaptationsnähte
  • kein Antibiotikum routinemäßig wenn Wunde frisch chirurgisch versorgt wird.
  • jedoch Ruhigstellung! (Gips) Engmaschige Kontrolle 1(-2) d.
  • Tollwut? Tetanus?
  • Ausnahme: Im Gesicht ev. prim. Naht! (Kosmetik)

Nähte

  • Einzelknopfnaht, Rückstichnaht nach Donati oder Allgöwer
  • nur lockere Wundrandadaptation, keine wasserdichte Naht,
  • cave: Weißwerden der Wundränder durch zu dichte, festgeknüpfte Nähte. Keinesfalls erzwungener Wundverschluß unter Spannung, ggf. Offenlassen, feuchter Verband mit Wundgaze und NaCl Tupfern, ev. Deckung mit Kunsthaut (Epigard) und Naht nach Abschwellen.
  • Auch plast. Deckung primär möglich.

Nicht und Niemals genäht werden dürfen:

  • Fleischhauerverletzungen
  • Stichwunden (Fußsohle) (müssen entweder exakt revidiert werden oder offen gelassen werden, mit Pat. Infektionsgefahr besprechen.)
  • Bisswunden (Tier~, Menschen~) (Typisch: RQW dorsal am Grundgelenk der Finger nach Faustschlag)
  • Schusswunden
  • veraltete (d.h. über 6-8 Stunden alte) oder infizierte (bereits sezernierende) Wunden

Wundkontrollen

  • am 1. Tag sinnlos, außer infizierte oder potentiell infizierte Wunde, oder zur Laschenentfernung. Kontrolle am 2.-3.postop. Tag,
  • früher bei Schmerzen, Fieber oder starker Sekretion etc.;
  • Unproblematische Wunden: auch vermehrt b. HA kontrollieren lassen.
  • Eine Wunde ist bland wenn:
  • keine Rötung, keine Sekretion d.h. trocken, keine Schwellung, keine (inadäquaten) Schmerzen vorhanden sind.

Entzündungszeichen: Alle infekten Wunden vorstellen!!!!!!!!!

Rubor-Calor-Dolor-Tumor-Functio laesa (Rötung, Überwärmung, Schmerzen, Schwellung und Funktionseinschränkung)

äußerste Vorsicht bei Entzündungen an der Hand

Befund bei Wunden

  • Dazu muß man natürlich beschreiben wo , d.h. in welcher Körperregion sich diese befindet.
  • * Diagnose: Latein (oder Deutsch), jedenfalls keinesfalls mischen!!!!
  • Nicht: Vlc. Oberschenkel sondern z.B.
  • V.l.c. reg.fem.ant.sin oder
  • V.sciss reg. fossae cubitalis dext oder
  • Vlc lobiforme reg.temporalis dext.

Behandlung

  • z. B.: LA, Wundversorgung, Nähte, Verband, Fingerschiene. Tetanusschutz besteht
  • Wiederbestellung wann, Nahtentfernung wann/wo, Arbeitsfähig oder Krankgeschrieben???
  • * Befund: Anamnese: Verletzung wodurch, (Fremdverschulden?). Kommt wie in die Amb.?
  • Vorbehandelt ( Hausarzt?).Wie alt ist die Wunde?
  • Aussehen, Größe, Verlauf (quer, längs, schräg, semicirculär...)der Wunde in kurzen Worten. ev. Verschmutzungsgrad ?
  • Wo ? (Region, Finger: Grund-Mittel-Endglied, dorsal-ventral, re.-li. etc.)
  • Periphere Sens. Durchblutung, Motorik?
  • Man sollte sich aus dem schriftlichen Befund vorstellen können -wo genau die Wunde ist und wie sie aussieht.

z. B.: Der Patient kommt mit Überweisung vom Hausarzt, er klemmte sich die rechte Hand in einer schweren Türe ein. Es findet sich eine frische 4 cm lange, nicht sichtbar verschmutzte, schräggestellte RQW mit stark kontusionierten Wundrändern dorsal über dem 5. Mittelhandknochen rechts, deutliche Schwellung des Handrückens ulnar, Fingerbeweglichkeit nur in der Beugung endlagig eingeschränkt, die Streckung gegen Widerstand gut möglich, periphere Sensibilität und Durchblutung ungestört.

* Röntgen:welche Röntgen ( z.B. Rö.: re. Mittelhand ap und schräg.), achten auf: knöcherne Verletzungszeichen? röntgendichter FK? i.a. freie Luft? Weichteilschatten.

Zustand der Wunde

  • recens = frisch. z.B.: Vlc. capitis (recens wird aber nicht extra diktiert)
  • höchstens 6 - 8 Stunden alte Wunden gelten als frisch. Diese Wunden werden in LA excidiert, revidiert und primär verschlossen.
  • Vlc/V.sciss non recens = nicht frisch. (z.B.: Vlc. capitis non rec.)

Wunden, die älter als 6 - 8 Stunden sind werden, wenn sauber d.h. nicht sezernierend in LA excidiert und offengelassen. Unbedingt Ruhigstellung! Wenn nötig, (Wunde klafft) wird nach frühestens 4 Tagen die Sekundärnaht durchgeführt.Wunden die schon sezernieren --> werden gereinigt, mit Betasalbe verbunden und ruhiggestellt engmaschige und frühzeitige (1 Tag) Kontrolle, ev. sogar nüchtern wiederbestellen. Sekundärnaht nach 4 Tagen möglich wenn Wunde sauber. Bei Auftreten einer sich ausbreitender Infektion stat. Behandlung (Antibiose und/oder operative Sanierung)

Vlc/V.sciss non rec. infect. = mit Entzündungszeichen. (z.B.: Vlc reg.ant.antebrachii sin non rec. infect.)

  • Rubor, Tumor, Dolor, Calor, ev. functio laesa:
  • Keine LA wegen der Gefahr der Keimverschleppung und wegen schlechter bis fehlender Wirkung des Anästhetikums im übersäuerten, entzündlichen Gewebe. Immer Ruhigstellung, ev. Antibiotika.
  • Ev. Stationäre Aufnahme und Revision in AN. Wenn amb.
  • engmaschige Wundkontrolle und nüchtern am Folgetag wiederbestellen. Spätestens nach der ersten durch Schmerzen gestörte Nachtruhe stat. Aufnahme zur Revision.

Drainage

  • Bei • Wundtaschen, • tiefen großen Wunden, • bei Muskelverletzungen wegen der Gefahr der Nachblutung.
  • Laschendrain: Weicher Silikonschlauch, der nach dem Kapillarprinzip arbeitet. Ausleitung immer am tiefsten Punkt der Wundtasche (Stichincision) oder durch den Wundrand. unter Rücksichtnahme auf die Lagerung des Patienten. ev. Fixation mit einer Naht, ohne das Drain zu ligieren.
  • Redondrain: Starres, rundes Drain mit mehreren Perforationen, arbeitet nach dem Saugprinzip (Vakuum) Deshalb Ort der Ausleitung nebensächlich, auf jeden Fall abseits der Wunde. Fixation durch Annähen oder ankleben.
  • MIT LIEGENDER REDONDRAINAGE IMMER STATIONÄRE AUFNAHME!!